Freiraum für Familien

Welche Fähigkeiten benötigen Kinder, um gut in der Welt zurecht zu kommen, die wir ihnen hinterlassen?

Wie entwickeln Kinder diese Fähigkeiten?

Potentialentfaltung

In jedem von uns steckt viel mehr Potential als wir denken. Im Lauf unserer Erziehung haben wir verlernt, alles für möglich zu halten.

Babys gehen ohne diese Vorbehalte auf ihre Umwelt zu. Sie probieren aus, was möglich ist, und lernen aus den Ergebnissen ihrer Aktivität.

Kleine Kinder entwickeln beim selbständigen Spielen eine gesunde Frusttoleranz, feiern auch kleine Erfolgserlebnisse, kultivieren ihre Kreativität und lernen – begleitet durch Pädagog*innen und Eltern -, dass ihre Freiheit dort aufhört, wo die Freiheit des Nächsten beginnt.

Wenn wir sie darin unterstützen, ihr mitgebrachtes Potential auf vielfältige Weise zu erkunden, können junge Menschen wach bleiben für die Herausforderungen ihrer Zeit und sich auf die Suche nach sinnvollen Antworten machen.

Kinder brauchen Erlebnisse

Dabei lernen Kinder aus konkreten Erlebnissen:

  • Babys erfassen unterschiedliche Materialien, Formen, Größen und Gewichte
  • Kleine Kinder bringen Dinge miteinander in Verbindung: sie vergleichen, kombinieren, bauen neben- und aufeinander
  • Kindergartenkinder entwickeln mit wenig Material und viel Phantasie ganz eigene Welten, in denen sie für lange Zeit spielend unterwegs sind
  • Schulkinder experimentieren immer gezielter: mit Seilbahn und Flaschenzug, mit Wasser und Feuer, mit Kugelbahn und Wetterstation, mit ihrem eigenen Gleichgewicht und körperlicher Geschicklichkeit. Sie entdecken so Stück für Stück nicht nur die Grundgesetze moderner Wissenschaft sondern sie finden häufig auch schon im Grundschulalter „ihr Thema“, das sie ein Leben lang begleitet.

Mitwachsende Werkstätten

Für diese Erlebnisse brauchen die Kinder passende Wirk- und Werkstätten als Bildungsräume:

Babys brauchen

  • neben der Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse
  • Zeit und Muße
  • in sicherer Umgebung
  • mit anregendem Spiel- und Bewegungsmaterial
  • sowie die liebevolle Aufmerksamkeit ihrer Bezugspersonen

Kleinkinder brauchen darüber hinaus

  • offenes Bastematerial (Stoff, Farben, Papier, Stöcke…) für
  • Kostüme, Requisiten und Lagerbauten
  • Geschichten, die phantasieanregend erzählt werden
  • einen Garten mit Nutzpflanzen, (Kletter-)Bäumen und viel Platz für Bewegung
  • Zugang zur Musik über die eigene Stimme und verschiedene Instrumente

Für Schulkinder wird es dann sinnvoll,

  • eine Werkstatt einzurichten, wo sie mit Holz, Metall, Ton und Stoffen arbeiten können
  • hochwertiges Lernspielzeug zur Verfügung zu stellen, um physikalische Grundzusammenhänge spielend zu erforschen

All dies wird im „Freiraum für Familien“ möglich.

Im Freiraum finden Familien:

Spielraum nach Pikler

In sicherer Umgebung, begleitet von Mutter oder Vater, experimentieren hier Babys (ca. bis 3 Jahre) in kleinen Gruppen mit altersgerechtem Spielmaterial und Bewegungsmöbeln.

Das Konzept geht zurück auf Emmi Pikler, die auf individuelle, beziehungsvolle Pflege der Säuglingen in ihrem Waisenhaus achtete und damit für die notwendige emotionale Sicherheit sorgte, die Grundlage für das interessierte Spielen der Kinder war.

Stimmwerkstatt

Hier singen Menschen aller Altersgruppen regelmäßig miteinander, und Kinder lernen nach und nach Blas- , Streich-, Zupf- und Schlaginstrumente kennen, die ihnen Musiker zum Ausprobieren vorstellen.

Sandraum „Strandgut“

Hier erleben große und kleine Kinder (ab ca. 2 Jahren) die faszinierenden Eigenschaften von feinem, trockenen Sand, in dem sie mit hochwertigen Gegenständen aus dem „echten Leben“ spielen.

Ute Strub entwickelte das Konzept „Strandgut“ als Indoor-Spielplatz für jeden Nachmittag in Berlin, inzwischen gibt es dieses Angebot bereits an vielen weiteren Orten.

Hengstenberg-Baustelle

Hier spielen große und kleine Kinder mit der Herausforderung des eigenen Gleichgewichts auf individueller Höhe und Schwierigkeitsgrad.

Elfriede Hengstenberg arbeitete als Gymnastiklehrerin erfolgreich mit Kindern an Fehlstellungen – heute unterstützen wir nach ihren Prinzipien die Beweglichkeit von Körper und Geist.

Spielkisten

Hier entstehen ganze Welten in flachen Kisten, an denen bis zu 8 Kinder miteinander spielen.

Heleana Jehle in der Kreativwerkstatt Freiburg hat die Idee entwickelt, ein Buch dazu geschrieben und bietet Fortbildungen für Fachleute hierzu an.

Malort

Die eigene Spur dem Papier anvertrauen, das Malen als Prozess erleben anstatt das fertige Werk vorzuzeigen – eine Quelle der Inspiration und Kreativität für Menschen ab ca. 5 Jahren.

Die Idee stammt von Arno Stern, der in Paris den ersten Malort für Strassenkinder entwickelte.

Tinkering Werkstatt, Maker Space

Mit echtem Werkzeug an echten Werkstücken arbeiten, die einen echten Zweck erfüllen – oder einfach ausprobieren, was passiert, wenn der Hammer auf den Nagel trifft. Hier ist unter fachkundiger Anleitung (fast) alles möglich, was mit Holz, Metall, Strom, Stoff, Papier und Farbe denkbar ist.

Die Idee geht zurück auf die Tinkering School von Gever Tulley, die er hier bei TED vorstellt.

Prävention für Familien

Alle Angebote sind für die ganze Familie gedacht. Eltern finden hier einen Rahmen, in dem sie mit ihren Kindern gemeinsam werken, wirken und erleben.

Alle Mitarbeiter*innen sind sowohl fachliche Experten als auch erfahren im respektvollen Umgang mit Eltern und Kindern, so dass sie unaufdringlich Hilfestellung geben und Ansprechpartner sind bei konkreten Fragen zum sozialen Miteinander.

So tragen die Angebote im Freiraum zum gesunden Aufwachsen der nächsten Generation in friedlichen Familien bei.